Auch zu finden auf Andrej Holmes „Gentrification Blog“:
Düsseldorf: Recht-auf-Stadt-Kitsch
Kitsch Cats auf facebook
24.07.2010 | 19:01 | von Eva Male (Die Presse)
Büros in mobilen Containern, Bars in Wohnwagen, eine ständig weiterwandernde „Szene“ und zwanglose Provisorien: Die Berliner sind findig und flexibel. Die vielen Brachen kommen ihnen dabei entgegen.
Textausschnitt Presseartikel:
Im gleichen Atemzug verändert sich auch das „Städtchen drumherum“. Tempelhof grenzt an Kreuzberg und Neukölln, schon spricht man von „Kreuzkölln“, einem Ort, der neuerdings magnetische Wirkung entfaltet. Wieder zieht die Szene weiter – dorthin, wo sich neue Möglichkeiten eröffnen. Prenzlauer Berg ist längst passé, weil zu künstlich und kinderwagen-verstopft, der letzte Club hat den Stadtteil verlassen. Friedrichshain gilt noch als cool, steht aber auf der Liste nicht mehr ganz oben. Die beiden Musiker Red (37) und Nina (35) sind, wie so viele andere, gerade nach Neukölln gezogen. „Hier sieht es so aus, wie ich Berlin vor 25 Jahren kennengelernt habe“, sagt Red, „ein gewachsenes Viertel, alter Westen, halblegale Kneipen, Ausländer, sozial schwächere Schichten und Kreative“. Für viele die ideale Mischung. „Hier ist es so, als ob die Leute ihr Wohnzimmer zur Kneipe machten.“
Zum vollständigen Pressetext: diepresse.com
KOLUMNE VON ARNO FRANK
Textausschnitt:
Unlängst begingen wir den fatalen Fehler, aus einem nordhessischen Naturschutzgebiet (Zwitscher, Tirilier, Plätscher) wieder ins nördliche Neukölln (Knatter, Wummer, Brüll) zu ziehen. Zurück also in ein Migranten- und Hartz-IV-Viertel, das sich während unserer Abwesenheit eifrig „gentrifiziert“ hatte. Gentrifizierung ist für ein Stadtviertel, was die Pubertät für einen Menschen ist. Es wird attraktiv, lebendig, sozial, aber auch ein wenig wunderlich, schrill und trotzig. Es testet Grenzen aus, quackelt ständig dummes Zeug und macht Lärm, viel Lärm.
Zum Artikel: Die Pest in den Zeiten der Cholera, taz.de
Renowned Photography Gallery Faces Eviction
The thriving real estate market in the center of Berlin is both a magnet for investors and a curse for cultural centers. The latest victim of the gentrification process is the renowned C/O Berlin gallery, known for showing the works of Annie Leibovitz and other top world photographers.
It’s been many years since Oranienburger Strasse, in the central Berlin district of Mitte, was a hub of underground culture and alternative lifestyles. It has long since morphed into a tourist strip, with the usual mix of generic fashion shops, flashy bars and cheap eateries. But a few centers of culture have tried to hold out amid the encroaching commercialization. Now, however, both C/O Berlin, an internationally renowned photography gallery, and Tacheles, a huge former squat turned art center, face eviction. Gentrification is wiping away the last vestiges of the vibrant post-1989 scene.
complete article (externer Link):
Renowned Photography Gallery Faces Eviction, Spiegel-Online
related Spiegel-online Links too „Gentrification“
- Photo Gallery: Killed Off by Gentrification
- Where Are They Now?: British Artist Documents Fate of East German Marxism-Leninism Instructors(06/25/2010)
- Gentrification in Hamburg: Can Ikea Save a Run-Down Neighborhood? (01/20/2010)
- ‘City Getting Blander’: Berlin Clears One of its Last Remaining Squats (11/25/2009)
- Straight Talk for Tacheles: Iconic Berlin Squat Receives Eviction Notice (01/07/2009)
- Troubled Times for Tacheles: Landmark Berlin Squat Battles Eviction (10/24/2008)
- Detritus of Love Gone Bad: Museum of Broken Relationships Hits Berlin (10/23/2007)
Sie nennen sich „BÜF.F.E.L“ und protestieren mit ironischen Plakaten gegen die Gentrifizerung der Stadt. Ein Interview mit drei anonymen Künstlern
Sie kleben an Stromkästen, Hauswänden und vor Kneipen, besonders im Glockenbachviertel: Plakate, die sich auf ironische Weise mit der nächtlichen Lärmbelästigung in Szenevierteln auseinandersetzen und mit kurzen Sätzen mehr Ruhe, teurere Mieten und strengere Nachbarn fordern. Unterschrieben sind sie mit „BÜF.F.E.L“, einem Aktionsbündnis, das sich dem Kampf gegen die fortschreitende Gentrifizierung der Stadt verschrieben hat.
Zum Interview: „BÜF.F.E.L“, jetzt.sueddeutsche.de
Arm und sexy? Teuer und öde!
Von Pia-Luisa Lenz
Der Immobilienmarkt macht dem Mythos Berlin Mitte den Garaus. Immer mehr Kulturinstitutionen schließen oder wandern ab. Jetzt muss auch die renommierte Fotogalerie c/o Berlin weichen – für einen schicken Hotelkomplex.
Textausschnitt: [...] Der drohende Auszug der renommierten Galerie hat dennoch Folgen – denn damit droht der Stadtteil endgültig kulturell zu veröden. Auf dem Weg von der Oranienburger Straße Richtung Hackesche Höfe findet man neben blitzblank sanierten Gebäuden und schicken Designer-Stores schon heute kaum noch die Pioniere, die das Viertel einmal prägten. Zwischen Systemgastronomie und Franchising ist c/o Berlin einer der letzten originellen Anlaufpunkte. [...]
Zum vollständigen Presseartikel: Gentrifizierung in Berlin Mitte, spiegel.de
22.05.2010 | 18:05 | von Norbert Philipp (Die Presse)
Viele Städte locken die „kreative Klasse“. Aber für manche bringt sie nicht nur Ideen, sondern auch Unheil: Durch Gentrifizierung, die Verdrängung der Bevölkerung etwa aus dem Hamburger Kiez und dem Wiener Grätzel.
Textausschnitt:
[...] Parolen aus Altona wie „Die Stadt gehört dir“ kennen die meisten Wiener nur aus der Werbung ihrer Verkehrsmittel. Etwas unbeholfen stehen die Wiener vor den Veränderungen in ihrer Stadt. Das liegt auch daran, dass für den Protest die Gegner fehlen. Die „kreative Klasse“ scheint sich in der Stadt mit Schmelztiegeltradition in die bestehenden Viertel zu mischen, wie die Milch in die Melange. Gentrifizierung existiert in Wien, laut Experten, nur in einer „Light“-Version. Denn die Stadt sei lange genug dagegen geimpft worden, mit bewussten Steuerungsinstrumenten: rigorosem Mietrecht, Blocksanierung, Gebietsbetreuung, gefördertem Wohnbau. Gentrifizierungsspuren sind trotzdem zu erkennen. Auch auf dem Karmelitermarkt, wo etwa das „Marktachterl“ Karriere von der Spelunke zum Szenewirtshaus gemacht hat. „Verdrängung findet hier weniger im Wohnraum statt. Sie zeigt sich im öffentlichen und sozialen Raum“, meint Huber. Wo sich Viertel verändern, versucht die Stadtpsychologin Ehmayer, die Bevölkerung zu animieren, zu „Verantwortung“ nämlich, und dazu, „die Stadt selbst in die Hand zu nehmen“. [...]
Vollständiger Pressetext unter: Kampf im Kiez: Kreative zum Fürchten
[...] Der Bezirk Mitte hat zur öffentlichen Plandiskussion „Pestalozzi-Quartier“ geladen. Die Gelegenheit für die Anwohner, zu erfahren, was in ihrer Nachbarschaft gebaut werden soll, und Fragen zum Projekt zu stellen. Geplant ist, dass auf dem ehemaligen Schulgelände 85 neue Wohnungen entstehen. „Als im Jahre 2005 klar war, dass die Schule geschlossen wird, hatten wir zunächst an den Bau von mehr als 100 Wohnungen gedacht“, erklärt Michael Mathe, der Leiter des Fachamtes für Stadt- und Landschaftsplanung im Bezirk. Man habe sich letztlich aber für eine lockerere Bebauung entschieden, da das nicht nur den künftigen Bewohnern, sondern dem gesamten Quartier zugute kommen werde. Befürchtungen der in der Aula versammelten Anwohner, hier würden Luxuswohnungen für wohlhabende Hamburger entstehen, die die Gentrifizierung (Prozess der Aufwertung) St. Paulis weiter vorantreiben, kann Mathe zerstreuen.
Mit Protest ist nicht zu rechnen, da bezahlbarer Wohnraum entsteht
Das „Pestalozzi-Quartier“ gehört zum Sanierungsgebiet Wohlwillstraße. Hier werden ein privater Investor und eine Baugenossenschaft „bezahlbaren Wohnraum für Familien, Senioren und für eine Baugemeinschaft“ schaffen, so Mathe. Protest wie gegen das geplante Bernhard-Nocht-Quartier in St. Pauli Süd ist hier nicht zu befürchten. [...]
Vollständiger Presseartikel: Projekte rund um die City
22.05.2010 02:00 Uhr
von Christoph Schröder, Der Tagesspiegel
New York als Hauptfigur und Rhythmusgeber: Richard Prices grandioser Roman „Cash“ ist nur an der Handlungsoberfläche ein Krimi.
Die Lower East Side von New York ist ein Stadtteil im Wandel, und das bereits seit vielen Jahrzehnten. War die Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch zu mehr als der Hälfte jüdisch geprägt, zogen nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkt Einwanderer aus Asien und Lateinamerika in das Viertel. Die größte Umwälzung allerdings erlebt die Lower East Side gegenwärtig durch die Gentrifizierung, die dafür sorgt, dass soziale Gegensätze hart aufeinanderprallen, Interessenslagen sich gegenüberstehen, Revierkämpfe ausgefochten werden.
Die Lower East Side ist der eigentliche Held von Richards Prices Roman „Cash“, der heute in deutscher Übersetzung erscheint – ein mehr als 500 Seiten starkes Buch, dem ein Stadtviertel auf so faszinierende wie virtuose Weise seinen Rhythmus gibt. [...]
Vollständiger Pressetext: Bargeld hat nichts zu lachen
21.05.2010 | 18:53 | von Daniela Mathis (Die Presse)
Das Ottakringer Brunnenviertel wandelt sich – langsamer als gedacht. Und rückt doch immer mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit von Künstlern, Investoren und Stadtplanern.
[...] 2008 untersuchte ein Team aus Stadt- und Landschaftsplanern der TU und der Boku, der PlanSinn GmbH, der MA50 (Wohnbauforschung) und MA18 (Stadtforschung), die Wechselwirkung von Kunst und Stadtentwicklung anhand von vier Fallbeispielen, darunter auch „Soho in Ottakring“. Es zeigte sich, dass die Gegend ab 2002 zunehmend als „Kulturmeile“ statt „Problemviertel“ in den Medien auftaucht und eine eindeutige Aufwertung von Bausubstanz und Infrastruktur begann – quasi der Beginn der klassischen Gentrification („Kunst macht Stadt“, siehe Info-Kasten). [...]
Vollständiger Pressetext: Gentrifizierung: Alles Kunst, oder was?
